Der spirituelle Tourismus in der Lutherstadt Wittenberg

Die erste urkundliche Erwähnung Wittenbergs datiert aus dem Jahr 1180. Zu dieser Zeit gibt es an der Stelle der heutigen Stadt lediglich einen Burgward. Unter dem Askanierherzog Albrecht II erhält Wittenberg 1293 das Stadtrecht. Zum Ende des 15. Jahrhunderts entscheidet sich Kurfürst Friedrich III, besser bekannt als Friedrich „der Weise“, Wittenberg zu seiner Residenzstadt zu machen. Ab1489 lässt Friedrich das Schloss und die dazugehörige Schlosskirche erbauen und gründet 1502 die erste landesfürstliche Universität Deutschlands in direkter Konkurrenz zu Leipzig. Die neu gegründete Universität „Leucorea“ lockt schon bald diejenigen Gelehrten nach Wittenberg, die nur wenige Jahre später dort Weltgeschichte schreiben werden. So auch der Mönch Martin Luther, der 1508 nach Wittenberg kommt und mit dem Anschlag seiner 95 Thesen wider den Ablasshandel am 31.10.1517 den Grundstein für die Reformation des Kirchenwesens legt. Nur wenige Monate nach Luthers Tod im Februar 1546 bricht der „Schmalkaldische Krieg“ (1546/ 47) aus, in welchem die im „Schmalkaldischen Bund“ zusammengeschlossenen protestantischen Fürsten und Reichsstädte den Streitkräften Kaiser Karls V gegenüberstehen. Der Neffe Friedrichs des Weisen, Johann Friedrich I verliert in der Konsequenz des Krieges seine Kurwürde und auch Teile seiner Ländereien, so dass Wittenberg ab 1547 keine kursächsische Residenzstadt mehr ist.

Erhebliche Verluste muss die Stadt im „Siebenjährigen Krieg“ hinnehmen. Große Teile der Stadt, des Schlosses und der Schlosskirche werden 1760 zerstört. Darunter auch die originale Thesentür aus Holz. Nach umfassenden Restaurierungsarbeiten wird die Schlosskirche ab 1770 wieder als Universitätskirche genutzt. Doch bereits wenige Jahrzehnte später werden die Gebäude der Stadt während der französischen Belagerung (1813/ 1814) erneut stark beschädigt. 1815 schließlich fällt Wittenberg als Ergebnis des Wiener Kongresses an Preußen. Im Jahre 1817 wird der Lehrbetrieb an der Leucorea eingestellt und nach Halle verlagert. Die Entfestigung der Stadt beginnt 1873. Im Jahr 1883 wird die „Lutherhalle“ eröffnet, welche heutzutage das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt beherbergt. Zwischen 1885 und 1892 erfolgt eine umfangreiche Umgestaltung der Schlosskirche zu ihrer heutigen Gestalt. Auf Beschluss des Stadtrates trägt die Stadt ab 1922 den Beinamen „Lutherstadt“.

Nach der Deutschen Wiedervereinigung beginnt Anfang der 90-er Jahre schrittweise die Sanierung/ Restaurierung der zu DDR-Zeiten vernachlässigten historischen Gebäude im Altstadtkern. Die Aufnahme der Luthergedenkstätten (Schlosskirche, Lutherhaus, Melanchthonhaus) in das Welterbe der UNESCO erfolgt 1996. [1]

QUELLE 2008
  • [1] Cora Prünsten, 13.08.2008, Diplomarbeit HS Harz, Ausgewählte Aspekte des spirituellen Tourismus am Beispiel der Lutherstadt Wittenberg, Der spirituelle Tourismus in der Lutherstadt Wittenberg S. 59 bis 60