Luther-Tourismus

Martin Luther gilt als vielgereister Mann. Verschiedenste Reiseanlässe (Disputationen, Vorträge, Verteidigung seiner Thesen etc.) führten dazu, dass er in zahlreichen Orten Deutschlands seine Spuren hinterließ. Zwar verfügt die Lutherstadt Wittenberg über das Alleinstellungsmerkmal, die „Wiege der Reformation“ zu sein, dennoch erheben auch die im Laufe seines Lebens bereisten Orte den Anspruch, am Luther-Tourismus zu partizipieren. Da die Besucher, die auf den „Spuren Martin Luthers/ der Reformation“ wandeln, zumeist nicht nur Wittenberg aufsuchen, sondern auch die anderen Orte, ist eine Untersuchung des spirituellen Tourismus in Wittenberg nicht ohne Einbeziehung der anderen „Luther-Städte“ möglich.

Das Bundesland Sachsen-Anhalt hat im „Luther-Tourismus“ eine herausragende Bedeutung. In Eisleben wurde Luther 1483 geboren und dort verstarb er auch 1546. Er wuchs in der ehemaligen Bergbaustadt Mansfeld auf und in Wittenberg schließlich verbrachte er mehr als die Hälfte seines Lebens. Verdeutlicht wird die besondere Stellung des Bundeslandes dadurch, dass sich zwar viele Städte „Lutherstadt“ nennen, aber nur die anhaltinischen Städte diesen Beinamen offiziell tragen dürfen: Lutherstadt Wittenberg, Lutherstadt Eisleben, Mansfeld-Lutherstadt.

Das Thema „Martin Luther“ besitzt im deutschland- und weltweiten Tourismus einen hohen Stellenwert. Städte mit Lutherbezug greifen diese zur touristischen Angebotsgestaltung auf und kooperieren dabei teils mehr, teils weniger, auch mit anderen Städten. Das Besucherinteresse gestaltet sich dabei in Abhängigkeit der Relevanz, die einem Ort im Rahmen der Reformationsgeschichte beigemessen wird.

Reisen auf den Spuren des Reformators enthalten gleichermaßen Elemente des Städte-, Kultur-, Bildungs- und spirituell/ religiösen Tourismus. In jedem Fall stellen sie jedoch grundsätzlich Reisen zu religiös-historischen Stätten dar. Hinzu kommen Reisen zu speziellen religiösen Festen, wie dem Reformationsjubiläum in 2017. Die vorgeschaltete Lutherdekade, welche im September 2008 eröffnet wurde, schafft zusätzliche Reiseanlässe. Im tourismuspolitischen Fokus dieses nationalen und internationalen Großereignisses steht neben der Erhöhung der Besuchszahlen auch die Image-Steigerung des (Kultur-) Reiselandes Deutschland. Von Seiten der (evangelischen) Kirche erhofft man sich, dass sich die Gäste wieder verstärkt mit den Inhalten der Reformation und deren Adaption an Gegenwart und Zukunft beschäftigen.

Die Nachfrage nach Luther-Reisen ist sowohl national, als auch international geprägt. Das größte Potenzial stellen hierbei die Mitglieder protestantischer Kirchen dar, speziell die der lutherischen Kirchen und Gemeinden.

Zentrale Bedeutung in der Reformationsgeschichte haben die Lutherstätten in Sachsen-Anhalt, welches nicht nur als „Kernland der deutschen Geschichte“ gilt, sondern auch als „Luthers Land“. Besonders die Lutherstadt Wittenberg wird - als Ausgangspunkt der Reformation - künftig zunehmend im Blickpunkt spirituell-/ religiös motivierter Reisender stehen. [1]

QUELLE 2008
  • [1] Cora Prünsten, 13.08.2008, Diplomarbeit HS Harz, Ausgewählte Aspekte des spirituellen Tourismus am Beispiel der Lutherstadt Wittenberg, Luther-Tourismus S. 43 bis 57